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Zusammenfassung

Sie sollte in dreizehn Monaten sterben. Gejagt von den Life Enforcers stahl Astrid die versteckte Zeitmaschine. Sie wurde in das antike Imperium geschickt und stahl die Identität einer abgesetzten, ungeliebten Kaiserin – einer Frau, die bereits verlassen, gedemütigt und darauf wartete, ausgelöscht zu werden. Doch der wahre Fluch war nicht der Thron. Ihre Lebensuhr reagierte nicht auf Medizin. Reagierte nicht auf Ruhe. Reagierte nicht auf Wunder. Sie reagierte auf ihn. Den Kaiser. Jeder Herzschlag, den er für sie empfand, schenkte ihr Zeit. Jeder kalte Blick stahl sie ihr. Ihr Überleben war an den einen Mann gebunden, der sie am meisten hasste. Und das System wusste es. Wenn er sie liebt, lebt sie. Wenn er sie bricht, stirbt sie. In einer Welt, in der Liebe eine Waffe und Macht tödlich ist – wie überlebt man, wenn die eigene Lebenslinie der Kaiser selbst ist?

Status
Abgeschlossen
Chapters
59
Rating
5.0 2 reviews
Age Rating
16+

Kapitel 1

Astrids Lebensuhr pulsierte in einem stumpfen Purpur an ihrem Handgelenk.

47:30:12.

Jede Sekunde tickte lauter als ihr Herzschlag.

In Proxima – früher einmal Erde genannt – wurde Zeit nicht in Jahren oder Träumen gemessen. Sie wurde in Besitz gemessen. Das System band jeden Bürger bei der Geburt an sich und brannte ihm leuchtende Lebensuhren auf die Handgelenke. Zeit war Währung. Zeit war Macht. Zeit war Gnade.

Die Elite von Uphill City wandelte mit zehnstelligen Lebensspannen umher, die wie Schmuck funkelten, während ihre Türme den von Smog verpesteten Himmel durchstachen. Unten in Downhill tauschten die Menschen Stunden gegen Nahrung, Tage gegen eine Unterkunft und manchmal – die Verzweiflung gegen den Tod.

Astrid hatte überlebt, indem sie Zeit stahl.

Nicht von den Hungernden. Nicht von den Gebrochenen.

Sie stahl von Monstern, die Jahrhunderte horteten, während sie zusahen, wie die Armen minutengenau starben.

Das hatte sie wertvoll gemacht.

Und jetzt – hatte es sie zur Gejagten gemacht.

Die Neon-Gassen schrien vor Sirenen, als die Life Enforcers die Sektoren abriegelten. Ihre Drohnen scannten Handgelenke, Wärmesignaturen und den Atem. Sie würden sie nicht töten. Töten war ineffizient. Sie würden sie einsperren und ihre Uhr Sekunde für Sekunde ausbluten lassen, bis das System ihren Körper wie abgelaufenes Eigentum zurückforderte.

Diesen Gefallen würde sie ihnen nicht tun.

Astrid schlüpfte durch eine gesprungene Balkontür in Professor Elios Apartment. Die Skyline hinter ihr glühte von holografischer Werbung und Überwachungsstrahlen. Das Apartment war still – zu still. Keine Alarme. Keine Sicherheitsfelder. Als ob die Stadt selbst den Atem anhielt.

Elio saß in einem Schaukelstuhl nahe dem Fenster, gebadet in weichem, bernsteinfarbenem Licht. Seine Lebensuhr strahlte mit fünf vollen Ziffern – genug Zeit, um mehrere Leben zu führen.

Als hätte er nur auf sie gewartet.

„Ich brauche nur einen Tag“, sagte Astrid mit rauer Stimme. „Du wirst es nicht einmal spüren.“

Doch bevor sie nach ihrem Gerät greifen konnte, packte Elio ihr Handgelenk.

Der Transfer brannte.

Ihre Uhr explodierte vor Licht, als Stunden – Tage – Jahre – in ihr System fluteten. Elio stieß ein einziges Mal die Luft aus, ein friedlicher Klang, und erstarrte dann. Seine Augen wurden glasig. Sein Körper sackte in sich zusammen, leblos und ohne Zeit.

In ihrer Handfläche lag ein kleiner Gegenstand.

Ein Schlüssel.

„Was hast du getan?“, flüsterte sie und starrte auf seine Leiche. „Warum hast du dich selbst umgebracht?“

Draußen schrien die Sirenen lauter. Das System würde den anormalen Transfer bereits registriert haben – Leben konnte man zwar handeln, aber nicht einfach so verschenken. Nicht ohne Konsequenzen.

Astrid durchsuchte das Apartment fieberhaft. Ihr verbesserter Blick scannte nach versteckten Paneelen, verschlüsselten Türen, allem, was Elios Wahnsinn erklärte. Ihre Finger strichen über eine feine Naht in der Wand hinter seinem Stuhl.

Ein verborgener Auslöser.

Die Wand glitt mit einem tiefen mechanischen Summen auf.

Darin stand eine Kapsel – hoch aufragend, transparent, summend vor fremder Energie. Uralt und doch hochmodern. Symbole pulsierten über ihre Oberfläche, Sprachen, die vom System längst gelöscht waren. Die Luft um sie herum fühlte sich… falsch an. Schwer. Als ob die Zeit selbst sich bog.

Astrid hielt den Schlüssel hoch.

Die Kapsel reagierte.

Licht schoss hervor. Die Schlösser lösten sich.

Als sich die Kammer öffnete, kroch kalter Nebel über den Boden und legte sich um ihre Stiefel. Was auch immer da drinnen lag, war nicht bloß Technik.

Es war die Flucht.

Oder der Untergang.

Und hinter ihr kamen die Sirenen näher.

Die Kapsel versiegelte sich hinter ihr mit einem hydraulischen Zischen.

Weiches blaues Licht flutete die Kammer. Codezeilen kräuselten sich über das gewölbte Glas wie lebendige Adern. Die Luft vibrierte – ein tiefer, beinahe musikalischer Ton –, der einen seltsamen Druck durch Astrids Knochen schickte, als würde die Schwerkraft selbst neu justiert.

Dann sprach eine Stimme.

„Willkommen an Bord, Herrin.“

Es war die Stimme einer Frau – sanft, beherrscht und mit einer künstlichen Wärme durchzogen. Nicht ganz menschlich. Zu präzise.

Astrid wirbelte zur Quelle herum. „Was – was ist das hier?“

„Dieses Gefährt ist eine Maschine zur zeitlichen Verschiebung, erschaffen von Professor Elio“, antwortete die KI ruhig. „Besitzanspruch und Befehlsgewalt wurden erfolgreich auf Sie übertragen.“

Astrid lachte einmal kurz auf, scharf und humorlos. „Dafür habe ich keine Zeit. Die Life Enforcers sind nur Sekunden entfernt. Ich muss hier raus – jetzt.“

Eine Pause. Dann –

„Vor der Aktivierung müssen Sie das Befehlsarmband anlegen, Herrin.“

Ein Fach öffnete sich an der Konsole und enthüllte ein elegantes Band aus schwarzer Legierung, durchzogen von flackerndem Licht. In dem Moment, als Astrid es um ihr Handgelenk schnappen ließ, verschmolz das Armband nahtlos mit ihrer Haut – es war warm, nicht schmerzhaft, sondern intim.

Die Kapsel reagierte sofort.

Holografische Paneele sprangen um sie herum zum Leben und kreisten wie Sternbilder.

„Armband synchronisiert“, verkündete die KI. „Initialisiere Kernsysteme.“

Astrid atmete schnell. „Fang einfach an – jetzt schon.“

„Bitte bleiben Sie ruhig, Herrin. Sie haben nun Zugriff auf die folgenden Programme.“

Symbole flackerten nacheinander in der Luft auf.

„Kommunikationsprogramm – für zeitübergreifende Schnittstellen und Befehlsübermittlung.“

Eine Wellenform pulsierte.

„Ästhetik-Rekonstruktionsprogramm – zur Gewährleistung der biologischen Kompatibilität mit der Ziel-Ära.“

Astrid blinzelte. „Schönheitsprogramm?“

„Ja, Herrin.“

Natürlich hatte es eines.

„Sicherheitsprogramm – um die Entdeckung durch zeitliche, biologische oder politische Einheiten zu verhindern.“

Sirenen heulten nun leise durch die Wände.

„Identitäts-Assimilationsprogramm – eine vollständige historische Integration, um Ihr Überleben zu sichern.“

Astrid ballte die Fäuste. „Okay. Okay. Mir egal, was du mit mir machst – bring mich einfach hier weg.“

„Verstanden.“

Das Licht der Kapsel dimmte und wurde durch einen wirbelnden Tunnel aus leuchtenden Symbolen ersetzt – Daten, Dynastien, einstürzende Sterne.

„Bitte schließen Sie Ihre Augen“, sagte die KI sanft. „Der Zeittransfer kann Desorientierung, Übelkeit und fragmentierte Erinnerungen verursachen.“

Astrid schloss die Augen, während der Boden unter ihr wegsackte.

Die Maschine dröhnte.

Die Zeit faltete sich.

Ihre Lebensuhr flackerte einmal auf – dann erlosch sie.

Und die Welt zersplitterte in Licht.

Als Astrid die Augen öffnete, fühlte sich die Welt… falsch an.

Die Luft war kalt – nicht die saubere Kälte der Technik, sondern eine feuchte, uralte Kälte, die ihr in die Knochen kroch. Steinmauern umgaben sie, rissig und verfleckt von jahrhundertelanger Vernachlässigung.

Verblasste Wandmalereien blätterten ab wie abgestorbene Haut, ihre einst prächtigen Farben waren zu Geistern geworden. Eine einzelne Öllampe flackerte schwach, ihre Flamme bebte, als hätte sie Angst, an diesem Ort zu existieren.

Dies war ein Palast.

Aber keiner, der zum Leben gedacht war.

Der Kalte Palast, laut ihrem Kommunikator.

Ein Ort, an dem ungewollte Gemahlinnen begraben wurden, während sie noch atmeten.

Das Bett am anderen Ende des Raumes war schmal und hart, die Seidenlaken fadenscheinig und altersgelb. Darauf lag eine Frau.

Sie sah aus wie Astrid.

Nein – sie war Astrid. Oder eine Version von ihr.

Das Gesicht der Frau war schmaler, blasser, ihre Lippen waren vor Fieber rissig. Ihr langes Haar war auf dem Kissen zerzaust, ihre Brust hob sich in flachen, ungleichmäßigen Atemzügen. Astrids Armband flackerte instinktiv und projizierte durchscheinende Daten in die Luft.

Vitalwerte: Kritisch

Lebenserwartung: 00:02:41

Astrids Kehle zog sich zusammen.

„Das bin… ich?“, flüsterte sie.

„Ja“, antwortete eine ruhige Stimme. „Das sind Sie – vor tausend Jahren.“

Astrid drehte sich ruckartig um. „Nova?“

„Korrekt. Ich bin Nova, Ihre zugewiesene Assistentin.“ Eine Pause, beinahe respektvoll. „Dieser Körper hat ein elendes Dasein gefristet. Vernachlässigung. Isolation. Politische Aufgabe. Tod durch Krankheit.“

Astrid trat näher an das Bett, ihre Stiefel lautlos auf dem Steinboden. „Sie stirbt.“

„Ja“, sagte Nova sanft. „Deshalb muss der Transfer jetzt stattfinden.“

Astrids Finger zitterten. „Transfer?“

„Berühren Sie ihren Kopf“, wies Nova an. „Ihre Erinnerungen sind noch intakt in der neuronalen Struktur. Sobald sie extrahiert sind, wird der Wirtskörper sich auflösen.“

Astrid schluckte. „Und wenn ich es nicht tue?“

„Dann wird sie allein sterben“, antwortete Nova. „Und Sie werden keine Identität in dieser Ära haben.“

Astrid atmete langsam aus und streckte die Hand aus.

Ihre Handfläche presste sich sanft gegen die brennende Stirn der Frau.

Die Welt explodierte.

Schmerz. Kälte. Hunger. Endlose Nächte, in denen sie auf eine Decke starrte, die niemals Gebete beantwortete. Der Duft von Weihrauch, der den Verfall überdeckte. Lachen, das aus fernen Hallen hallte, die sie nicht betreten durfte. Ein Kaiser als Gatte, der niemals kam. Diener, die durch sie hindurchsahen, als wäre sie bereits tot.

Verweigerte Liebe.

Zerbrochene Hoffnung.

Entzogene Macht.

Astrid keuchte auf, als die Erinnerungen in den Kommunikator fluteten. Jedes Gefühl brannte sich in ihren Verstand. Die Frau auf dem Bett tat einen letzten Atemzug –

Und verschwand.

Die Laken sackten in sich zusammen, leer.

„Sie haben die Kontrolle über den Körper übernommen“, sagte Nova. „Sie sind jetzt sie.“

Astrid taumelte zurück und umklammerte ihr Handgelenk.

Die Lebensuhr leuchtete.

Sie lief immer noch.

Aber die Zahlen waren anders.

Der Atem stockte ihr.

Verbleibende Zeit: 9.980 Stunden.

Sie starrte fassungslos darauf. „Sie ist gesunken.“

„Die zeitliche Anpassung verbraucht Energie“, erklärte Nova. „Sie haben während des Übergangs zwanzig Stunden verloren.“

Astrid rechnete schnell nach.

Weniger als dreizehn Monate.

Das war alles, was ihr in dieser Ära blieb.

Sie lachte leise, ein müder, atemloser Klang, und lehnte sich gegen die kalte Wand. „Wenigstens… muss ich nicht mehr rennen.“

Keine Life Enforcers.

Keine Sirenen.

Keine Käfige.

Nur ein sterbendes Imperium… und eine Krone, die sie noch beanspruchen musste.

Astrid hob das Kinn, ihre Augen verhärteten sich, während der Kalte Palast ihr Spiegelbild im dämmrigen Licht verschlang.

„Wenn diese Welt glaubt, ich würde leise sterben“, murmelte sie, „dann hat sie keine Ahnung, wen sie gerade geerbt hat.“

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