Kapitel 1 ~ Ich brauche eine neue Bedienung
Ich schrie: „Maddox! Mach schon, Großer! Ich komme zu spät ... Ich muss dich noch zur Schule bringen.“
Er brüllte zurück, dass er unterwegs sei. Und tatsächlich: Kurze Zeit später landete mein kleiner Zehnjähriger mit einem Sprung vom Treppenabsatz vor mir.
Er schnappte sich seinen Rucksack und ich schob mein Handy in die Gesäßtasche. Ich fragte: „Jeep oder Bike? Für das Motorrad ist es noch warm genug.“ Er grinste und griff nach seinem Helm. Das war wohl meine Antwort!
Ich stieg auf meine Harley Softtail Deluxe und schob sie rückwärts aus der Garage. Maddox stieg hinten auf und wir düsten los zur Schule. Ich legte mich ordentlich in die Kurven und gab ordentlich Gas. Maddox liebt Geschwindigkeit.
Als wir vor der Pine Grove Grundschule hielten, fragte ich: „Hast du alles? Hausaufgaben? Essenskarte? Inhalator? Damenbinden?“
Er grinste und sagte: „Du bist so ein Trottel.“ Dann stapfte er davon und seufzte dramatisch: „Ooooh neeein! Ich habe meine Binden vergessen ... SCHON WIEDER!“
Ich ließ die Maschine an, lachte über seinen Blödsinn und machte mich auf den Weg zum Diner. Für einen Donnerstagmorgen war schon ziemlich viel los. Ich lächelte, wünschte Ashley einen guten Morgen und sah dann kurz nach meinem Koch und dem Chefkoch.
Sie lächelte und sagte: „Ich mache um Mittag Feierabend, aber ich habe Tammy organisiert, damit sie dich unterstützt. Der Arzt will ein paar Bluttests machen. Er macht sich Sorgen wegen Schwangerschaftsdiabetes. Scheinbar ist das Baby größer, als es sein sollte.“
Ich fragte: „Sogar für einen Wolf? Weiß dein Arzt überhaupt, dass dich ein Wolf geschwängert hat?“ Sie zischte mich an: „Niemand weiß das, Delaney! Ich habe es nur dir gesagt, weil du es sowieso gerochen hättest.“
Ich verzog das Gesicht. „Igitt. Wenn du das so sagst, klingt das echt gruselig.“ Sie kicherte: „Alter! Es IST gruselig!“ Ich lachte sie aus, während meine Wölfin Iris sie nur verächtlich anschnaubte.
Ich fing an, Besteck für das Mittag- und Abendessen einzurollen. Ashley fragte mich: „Hey, hast du schon von dem Motorradclub gehört, der in die Stadt zieht?“
Ich schüttelte den Kopf und sie erzählte weiter: „Sie haben dieses riesige Grundstück mit dem alten Zeltplatz gekauft. Wolf Warriors oder so ähnlich.“
Ich wurde hellhörig. „Wolf Warriors? Meinst du? Könnten das die Warrior Wolves sein? Der Club, der fast nur verstoßene Wölfe aufnimmt? Wenn ja, dann wird es hier in der Stadt bald verdammt sicher. Das sind Jäger, die Jagd auf wilde Einzelgänger machen.“
Sie zuckte mit den Schultern. „Tja, keine Ahnung. Heute Morgen im allerersten Morgengrauen war schon ein Biker hier. Noch bevor ich den Kaffee fertig hatte. Er meinte, sein Club würde hierher ziehen und er würde nur ein bisschen abhängen und auf Mr. Donaldson von der Bank warten.“
Ich nickte nur. Nicht, dass es mir egal wäre – im Gegenteil. Ein Biker-Club bringt viel Kundschaft, und das kann mir nur recht sein!
Ich grinste Ashley an und sagte: „Hey, Frischfleisch! Wer weiß, vielleicht ist dein zukünftiger Ex-Mann ja dabei. Ein Biker UND ein Wolf? Das wäre der absolute Jackpot!“
Sie lachte sich kaputt und erwiderte: „Du kannst es einfach nicht lassen, oder? Musst du dich jeden Morgen nach dem Aufstehen extra anstrengen, so eine Zicke zu sein?“
Ich lachte: „Verdammt, nein! Das ist ein Talent! Die Scheiße liegt mir einfach im Blut!“ Das brachte sie wieder zum Lachen.
Ich fragte: „Hast du Tammy daran erinnert, dass sie von drei bis sechs alleine im Laden ist? Es ist Donnerstag und Maddox hat Training.“
Sie rief: „Mist! Nein! Ich schreib ihr sofort eine SMS.“ Sie suchte überall nach ihrem Handy und sagte dann: „Gib mir mal deins.“
Ich lachte: „Schon wieder verloren, was?“ Dann reichte ich ihr mein Telefon. Sie brummelte ein „Halt den Mund“ und schrieb Tammy.
Sie gab mir das Handy zurück und sagte: „Du hast eine Nachricht von Maddox’ Lehrerin ... irgendwas wegen Damenbinden.“
Ich verschluckte mich fast an meiner eigenen Spucke. Dieser Junge! Ich tippte eine Antwort, erklärte, dass es nur ein Witz zwischen Maddox und mir war und dass ich mich darum kümmern würde.
Ich ging in die Küche, um den Chefkoch zu fragen, ob er Hilfe bei der Vorbereitung für das Abendessen brauchte. Aber er verneinte. Für das normale Tagesgeschäft habe ich meine Hilfsköche. Aber der Chefkoch arbeitet von Donnerstag- bis Samstagabend, da gibt es gehobenere Küche. Das kommt bei den Leuten in der Stadt gut an.
Wir überstanden den Mittagsansturm und Ashley machte sich auf den Weg zum Arzt. Schwangerschaftsdiabetes, von wegen! Das Baby ist ein halber Wolf, natürlich wird es riesig! Um 14:45 Uhr fuhr ich los, um Maddox von der Schule abzuholen, und hetzte nach Hause.
Wir zogen unsere schwarze Kampfmontur an und ich warf die Sporttasche hinten in den Jeep. Dann fuhren wir zu dem alten, verlassenen Bauernhof, den wir an unserem ersten Wochenende hier entdeckt hatten.
Dort hatte ich einen Trainingsplatz für Maddox aufgebaut, damit er seine Waffenkenntnisse verbessern konnte. Ich weiß nicht, ob Marcus uns sucht, aber mein kleiner Bruder wird nicht so enden wie meine Mutter!
Als wir aus dem Jeep stiegen, fragte ich: „Womit willst du anfangen?“ Er zuckte mit den Schultern. „Bogenschießen. Darin bin ich besser als im Messerwerfen. Und das Katana kommt wie immer zum Schluss! Das ist mein Favorit!“ Ich grinste: „Meiner auch!“
Wir spulten unser Programm ab. Ich bin echt beeindruckt, wie treffsicher und beweglich er ist. Er wird auch immer schneller. Seine Instinkte sind gut und er zögert nie. Ich grinste: „Nächste Woche fangen wir mit beweglichen Zielen an. Du bist jetzt gut genug, wir müssen den Schwierigkeitsgrad steigern!“
Er lachte: „Ja. Aber ich will den Parcours immer noch nicht mit verbundenen Augen laufen, so wie du. Mir fehlt dieser Extra-Schub bei den Sinnen, den hast nur du!“
Ich sagte zu ihm: „Du hast auch was Besonderes an dir, Großer! Du triffst verdammt gut und bist schnell. Deine Instinkte können locker mit denen eines Wolfes mithalten.“
Ich brachte ihn nach Hause, damit er essen und seine Hausaufgaben machen konnte. Mrs. Sutton von gegenüber kam zum Babysitten vorbei, bis ich das Diner schloss.
Zurück bei der Arbeit füllte ich gerade die Kühlung auf, als Tammy sagte: „Wurde auch Zeit, dass du wieder auftauchst! Um vier war hier die Hölle los. Ich bin eine ganze Stunde lang total untergegangen!“
Ich richtete mich auf und sah sie streng an: „Dir ist schon klar, dass ich diejenige bin, die deinen Gehaltsscheck unterschreibt, oder?“
Sie nickte und ich knurrte: „Was gibt dir dann das Recht, in diesem Ton mit mir zu reden? Ich dulde keinen Respektlosen Umgang, Tammy! Von niemandem!“
Sie verzog das Gesicht: „Weißt du was?! Das ist mir scheißegal! Ich kündige! Dieser neue M.C. sucht nach Club-Girls. Freie Kost und Logis. Geld für Klamotten und zweihundert Dollar die Woche bar auf die Kralle!“
Ich lachte laut auf: „Du willst lieber eine Club-Hure sein, als in meinem Diner zu arbeiten? Viel Glück, Schätzchen! Ich habe gehört, die Initiation ist kein Zuckerschlecken!“
Sie schnaubte: „Keine Hure, du Idiot. Ein Club-Girl.“ Ich brach in Gelächter aus. „Du warst wohl noch nie in der Nähe eines Biker-Clubs, was? Na ja! Ich wünsche dir viel Glück. Jetzt pack dein Zeug und stempel aus. Dein letzter Scheck ist in zehn Minuten fertig.“
Ich schrieb Ashley eine SMS, dass wir eine Anzeige schalten müssen. Ich brauche eine neue Bedienung.








